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„Sextortion“ - Online-Erpressungsversuche via E-Mail/Chat

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„Sextortion“ - Online-Erpressungsversuche via E-Mail/Chat
Informationen und Präventionshinweise zu den verschiedenen Methoden der sexuellen Erpressung
Ein scheinbar harmloser Chat, ein paar unbedacht verschickte Fotos und die Falle der Erpresser schnappt zu. Die Kriminalprävention der Polizei Lippe informiert zum Phänomen der "Sextortion" - Online-Erpressungen auf sexueller Grundlage.
Dr. Olivera Holzkamp

Eine perfide Betrugsmasche ist die „Sextortion“. Täter drohen mit der Veröffentlichung von sexuell belastenden Material und setzen ihre Opfer erheblich unter Druck. Diese Art der Erpressung nennt sich Sextortion und setzt sich aus den Wörtern "Sex" und "Extortion" (engl. Erpressung) zusammen.


Welche verschiedenen Erpressungsvarianten Täter nutzen, wie Sie sich davor schützen und was Sie tun können, wenn Sie bereits Opfer geworden sind, stellen wir Ihnen hier dar.

Die Vorgehensweise der Täter


1. Erpressung via Chat/direkter Kontaktaufnahme


Die Täter kontaktieren ihre Opfer häufig über soziale Medien, Messenger-Dienste, Foren oder Online-Spiele. Über Gespräche verschaffen die Täter Vertrauen, flirten und überreden ihre ahnungslosen Opfer dazu, sich vor der Kamera auszuziehen oder sogar sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen. Entweder geschieht dies im Chat vor einer Webcam/der Smartphone-Kamera oder das Opfer sendet Fotos/Videos von sich. Auch Jugendliche werden häufig Oper dieser Betrugsmasche.
Anschließend drohen die Täter mit der Veröffentlichung von den gesammelten Fotos/Videos und verlangen Geld oder zwingen das Opfer zu weiteren sexuellen Handlungen. Die Angst und Scham der Opfer ist häufig so groß, dass sie sich nicht Freunden anvertrauen oder die Polizei um Hilfe bitten, sondern sich auf die Forderungen einlassen.

2. Erpressung via E-Mail


Bei dieser Variante verschicken die Täter E-Mails. In diesen E-Mails behaupten sie, kompromittierende Videos aufgenommen zu haben, z.B. über eine gehackte Webcam.

  • Manchmal werden diese E-Mails massenweise als Spam verschickt. Die Täter hoffen, dass manche Menschen auch ohne konkrete Hinweise auf den Inhalt der Videos aus Angst vor Veröffentlichung das verlangte Geld zahlen.
     
  • Es gibt auch Täter, die sich im sogenannten „Dark-Net“ Daten und Passwörter aufkaufen. Diese Daten stammen aus Hacking-Attacken gegen Online-Anbieter oder große Provider und werden u.a. benutzt, um die Opfer namentlich anzuschreiben. Mit den echten Daten des Opfers versuchen die Täter zu untermauern, dass sie den Rechner/Smartphone des Opfers wirklich gehackt haben.

Oft besitzen die Täter aber kein kompromittierendes Material.

Wie kann ich mich schützen?
  • Stimmen Sie keinen intimen Handlungen oder Entblößungen in Videochats zu, wenn Sie die Person erst seit kurzem kennen. Machen Sie sich bewusst, dass Sie während eines Videochats immer gefilmt oder fotografiert werden können.
     
  • Seien Sie zurückhaltend mit der Veröffentlichung persönlicher Daten wie Anschrift, Geburtsdatum, Telefon oder Arbeitgeber.
     
  • Deaktivieren Sie ihre Web-Kamera, wenn Sie diese nicht gerade benutzen. Im Zweifel können Sie die Web-Kamera auch abkleben oder verdecken.
     
  • Halten Sie all ihre Geräte (Smartphones, Tablets, Laptops) sowie Betriebs- und Virenschutzsysteme auf dem neuesten Stand. Es gibt Schadsoftware, die Ihre Webcam problemlos aktivieren und Sie damit jederzeit filmen kann.
     
  • Überprüfen Sie ihre E-Mail Adresse in einem renommierten „Identity Leak Checker“ (siehe unten). Dies sind Internetseiten, bei denen Sie überprüfen können, ob Ihre Adresse bei bekannten Hackingangriffen betroffen war. Falls Sie betroffen sind: Ändern Sie umgehend ihre persönlichen Zugangsdaten.
Was kann ich tun, wenn ich bereits Opfer geworden bin?
  • Geraten Sie nicht in Panik und erstatten Sie ohne Schamgefühl eine Strafanzeige bei der Polizei. Wir behandeln Ihren Fall sensibel und unterstützen Sie!
     
  • Zahlen Sie den Erpressern kein Geld!
     
  • Sichern Sie Chatverläufe u. ä. mit Screenshots.
     
  • Ändern Sie sofort alle Passwörter für Zugänge zu Mail-Accounts, Foren, soziale Medien, etc.
     
  • Sollten die Erpresser kompromittierendes Bild- oder Videomaterial veröffentlicht haben: Kontaktieren Sie auf dem schnellsten Wege den betreffenden Dienstanbieter und verlangen Sie, dass die Inhalte umgehend gelöscht werden.
     
  • Überprüfen Sie Suchmaschinen auf Ihren Namen und neue Fotos oder Videos, die jemand in Ihrem Namen im Internet hochgeladen hat.
     
  • Informieren Sie Ihre Bank um evtl. Überweisungen anzuhalten oder rückgängig zu machen.
     
  • Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson oder holen Sie sich psychologische Hilfe, falls Sie der Vorfall zu sehr belastet. Unsere Expertinnen und Experten des Opferschutzes informieren Sie gern über entsprechende Angebote.
Weiterführende externe Links
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